Presse

Nordic Leipzig Projekt des Goethe-Instituts

Das Austauschprojekt NORDIC LEIPZIG des Goethe-Instituts startete im November 2018 und brachte seitdem 13 KünstlerInnen als Gäste in die Leipziger Baumwollspinnerei

NORDIC LEIPZIG ist ein Projekt des Goethe-Instituts Dänemark, zusammen mit den Goethe-Insituten der Nordischen Länder, in Kooperation mit LIA – Leipzig International Art programme und Vlado & Maria Ondrej – Atelier für zeitgenössische Radierung.

2018/2019 organisierte das Goethe-Institut Dänemark, in Kooperation mit dem LIA Leipzig International Art Programme, ein umfangreiches Stipendienprogramm für Künstler aus den nordeuropäischen Ländern Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Das Stipendium umfasst jeweils einen dreimonatigen Aufenthalt im LIA und eine einmalige Zahlung von 500 € für Reisekosten und Material sowie die Teilnahme an einer Gruppenausstellung während einer der Rundgänge der SpinnereiGallerien Leipzig. Zusätzlich erhielten alle Stipendiaten die Möglichkeit, im Atelier für zeitgenössische Radierung von Vlado und Maria Ondrej eine Druckgrafik anzufertigen. Alle dort im Rahmen von Nordic Leipzig entstandenen Radierungen werden zu einer gemeinsamen Print-Edition zusammengefasst und ab 2020 als Wanderausstellung in den nordeuropäischen Ländern präsentiert

Folgende elf Künstlerinnen und Künstler erhielten das Nordic Leipzig Stipendium, inklusive einer gesonderten Projektförderung:

Runde 1: November 2018 – Januar 2019

Maja Gade Christensen (Dänemark)
Vibeke Frost Andersen (Norwegen)
Tanja Koljonen (Finnland)

Runde 2: Februar – April 2019

Tuukka Haapakorpi (Finnland)
Conny Karlsson Lundgren (Schweden)
Bjargey Ólafsdóttir (Island)

Projektförderung: Mai  – Juni 2019

Michelle Eistrup (Denmark)

Runde 3: August – Oktober 2019Martin Stråhle (Norway)
Gunnhildur Hauksdóttir (Iceland)
Elisabeth Moritz (Sweden) / Anna Taina Nielsen (Denmark) 

Runde 1: November 2018 – Januar 2019Vibeke Frost Andersen (Norway)In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich die Norwegerin Vibeke Frost Andersen mit dem Thema Landschaft. Wie wird die Landschaft (re)produziert und (re)präsentiert und was kann dabei herausgefunden werden? Als Material und Informationsquellen für ihre Untersuchungen nutzt sie statistisches Datenmaterial, offizielle Dokumente sowie Feldforschung. Der Prozess und das Ergebnis können variieren – Interventionen im Freien, linsenbasierte Darstellungen, Text und Gespräche – dienen ihr als Versuche, sich mit der Öffentlichkeit über die Ergebnisse und Untersuchungen auszutauschen.Maja Gade Christensen (Denmark)Die dänische Künstlerin Maja Gade Christensen arbeitet mit dem Abbilden von Landschaft, beispielsweise indem sie Sedimentproben eines bestimmten Ortes sammelt. Sie verwendet diese Sedimente als Material für Objekte, Gemälde und Drucke. Wasser ist dabei ein wichtiger Faktor, der bei Erosionen, Neuformungen von Landschaften oder der Bewegung von Materie einwirkt und von der Künstlerin bewusst einbezogen wird. Muster und Strukturen von Boden, Wasser und deren Spuren, die zurückbleiben, werden fixiert und sichtbar gemacht. In Leipzig erkundete sie die Flussläufe von Elster, Pleiße, Luppe und Parthe und nutzte die dort gesammelten Sedimentproben für ihr künstlerisches Projekt.Tanja Koljonen (Finland)Tanja Koljonens Arbeit beschäftigt sich größtenteils mit dem Zwischenraum von Lesbarem und Sichtbarem; einem Ort, an dem die Grenzen von Text und Bild im ständigen Fluss sind. Ihre Arbeit fragt oft: worauf kann etwas basieren, wenn Geschichten gebrochen werden? Wie uneindeutig und fließend lesen, sehen und hören wir? Gesten des Verdeckens, Löschens oder Umstellens wirken sich unterminierend auf eine buchstäbliche Interpretation und die lineare Lesbarkeit aus. Wenn Bilder und Wörter zerfallen, reichen ihre Fragmente noch für eine Idee?

Runde 2: Februar 2019 – April 2019Tuuka HaapakorpiDer finnische interdisziplinäre Künstler Tuukka Haapakorpi, arbeitet in den Bereichen Bildende Kunst, Klang, Musik und Game Design. Während seines Aufenthalts in Leipzig entwickelte Tuukka ein komplexes Buchprojekt, das sich am Prinzip textbasierter Rollenspiele orientiert und grundsätzlich die Frage aufwirft, wie Realität und menschliche Identität alternativ gedacht oder gestaltet werden können. Das visionäre Potenzial der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche wird thematisiert und in Frage gestellt. In seinem Projekt verbindet Tuukka wissenschaftliche Forschung, Zeichnung und Druckgrafik, letztere in Zusammenarbeit mit dem Atelier für Radierung Leipzig.Conny Karlsson LundgrenConny Karlsson Lundgren, bildender Künstler, lebt und arbeitet in Stockholm, Schweden, ist fasziniert von den kurzlebigen, scheinbar temporären Spuren und Momenten menschlicher Existenz, die zusammen einen größeren Kontext bilden. Während des Aufenthalts in Leipzig arbeitete er an einem neuen Kapitel seines Langzeitprojekts “The Johanna Series”, in welchem er sich mit der in Leipzig geborenen und in New York City verstorbenen avantgardistischen Komponistin Johanna M. Beyer (1888–1944) und ihrer unrealisierten, visionären politischen Oper “Status Quo” von 1938 auseinandersetzte.  In enger Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Pianisten Christian Hornef und mit Unterstützung der Oper Leipzig schuf er eine Interpretation des Schlusssatzes von Beyers Oper “Status Quo: Dance (für ein komplettes Orchester)”, die er in Form eines Films und verschiedener Objekte installativ zusammenfügte.Bjargey OlafsdottirBjargey Olafsdottir lebt und arbeitet in Reykjavík, Island. Die Kunst von Bjargey Ólafsdóttir ist nicht auf ein einziges Medium beschränkt, da jedes ihrer Konzepte ein anderes Werkzeug erfordert: Fotografie, Film, Klangkunst, Performance und Zeichnung. Inspiriert von Popkultur und Erinnerung ist ihr Kunstwerk poetisch, aber humorvoll und verspielt und beschäftigt sich mit menschlichen Beziehungen. Spiel, Experimentieren und Zufall innerhalb einer Reihe von Regeln, die von Neugier befeuert werden, ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Praxis. Die Arbeiten von Bjargey Ólafsdóttir spielen mit unseren Vorurteilen über das, was wir sehen, über die Medien Film und Fotografie und fragen, was wirklich ist und was Fiktion ist oder erzählen mit schwarzem Humor vom Animalischen im Menschen.

Projektförderung: Mai – Juni 2019Michelle EistrupMichelle Eistrup ist bildende Künstlerin, Kunstproduzentin und Initiatorin künstlerischer Zusammenarbeit und lebt in Kopenhagen, Dänemark. Sie bearbeitet Themen wie Identität, Körperlichkeit, Glaube, Erinnerung und Postkolonialismus, wobei ihr transnationaler Hintergrund (dänisch, jamaikanisch, amerikanisch) manchmal Ausgangspunkt ist. Derzeit arbeitet Eistrup an einem Film, Natango Zuzu (All Suns Forever). Dieses Stück vereint Artefakte der afrikanischen Kultur und Spiritualität mit Geschichten und Menschen im Süden der Vereinigten Staaten und mit dem Königreich Kongo/Angola. Die Verbindung dieser Objekte versucht, unterschiedliche Umgebungen zu vereinen und dabei verborgene Bedeutungen latenter sichtbar zu machen. Während ihres Aufenthalts in Leipzig konnte Michelle einige der sogenannten Nkisis, Artefakte aus dem Kongo, die zur Sammlung des GRASSI-Museums für Ethnologie in Leipzig gehören, für ihr Filmprojekt Natango Zuzu dokumentieren. Michelle präsentierte ihre Arbeit in zwei öffentliche Vorträgen: während der LIA Spring Group Show sowie im LURU-Kino in der Spinnerei, zusammen mit der Direktorin des GRASSI-Museums, Léontine Meijer-van Mensch.

Runde 3: August 2019 – Oktober 2019Elisabeth MoritzDie gebürtige Schwedin Elisabeth Moritzarbeitete im Mai und August 2019 in Leipzig. Sie entwickelte eines ihrer Langzeitprojekte weiter, in dem sie sich mit dem Hintergrund ihrer deutschstämmigen Familie auseinander setzt. Das Projekt befasst sich vor allem mit der Zeit in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkriegs und mit den bestehenden Parallelen zur wachsenden Fremdenfeindlichkeit und dem Nationalismus im heutigen Europa. Ausgehend von persönlichen Familienfotos wirft Elisabeth Moritz einen Blick auf die Menschen, die nicht klar als Täter oder Opfer identifiziert werden können, sondern die versucht haben, in dem sie umgebenden System zu überleben.  In ihrer Zeit in Leipzig entwickelte Elisabeth zwei Radierungen, in Kombination mit Zeichnungen, genannt “Mutterland” und “Vaterland”, als Reflexion auf ihre eigene Familiengeschichte  und als ambivalente Selbstverortung.Gunnhildur HauksdottirGunnhildur Hauksdóttir ist eine isländische bildende Künstlerin, die in Reykjavik und Berlin lebt und arbeitet.
In ihrer Arbeit kombiniert siedi Audio, Video, Performance, Skulptur, Zeichnung und Text, um transiente konzeptuelle Konstruktionen zu erstellen, die Themen wie kulturelle Identität, Natur oder Mut und Angst untersuchen. Ihre künstlerische Arbeit ist oft angetireben von Sorgen über die Zerstörung der natürlichen Welt, des Lebensraums und das rasche Aussterben nichtmenschlicher Arten und Erdenwesen. In Leipzig setzte sie ihr andauerndes Forschungsprojekt “Borderline Human” fort, welches sie in Zusammenarbeit mit dem us-amerikanischen Lichen Lab und dem Barrett-Henzi Lab in Kanada entwickelt. Gunnhildur untersucht und animiert hierbei über multimediale, teils interaktive Kanäle die Grenze zwischen Menschen und Nicht-Menschen, insbesondere Affen.Martin StråhleIn seiner Arbeit liegt Martin Stråhles Hauptaugenmerk darauf, sich der Malerei auf immer wieder neue Art und Weise zu nähern, einen neuen Blickwinkel für seine Bildentwicklungen zu finden. Dies geschieht entweder durch Verwendung unterschiedlicher Materialien oder durch Veränderung des Prozesses bei der Arbeit an einem zweidimensionalen Bild, um die Beziehung zwischen Malerei und anderen Medien wie Textil, Skulptur und Performance zu untersuchen. Ihm geht es darum, seine eigenen Gedanken herausfordern, was Malerei sein kann und wie weit er sich entfernen kann und gleichzeitig am Prinzip der Schaffung eines zweidimensionalen Bildes festzuhalten. In Leipzig konzentrierte sich Martin Stråhle auf das Medium Kohle und schuf zahlreiche großformatige Werke auf Leinwand, in denen er Beobachtung und Erforschung der neuen Umgebung, Traum, Grafik und Ornament vereint.Anna Taina-NielsenAnna Taina-Nielsen aus Kopenhagen, Dänemark, war im September und Oktober im LIA. In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie vor allem im Bereich der performativen Malerei, indem sie ihre Gesten und Aktivitäten während des Malprozesses durch Fotografie oder Film dokumentiert. Sie ist inspiriert von Routinen und Rhythmen bei der körperlichen Arbeit, weshalb sie diese in ihren Malprozess zum zentralen Thema macht und dabei ihren eigenen Körper als Werkzeug oder Maschine verwendet, um die sich wiederholende Arbeit innerhalb eines strengen Regelwerks auszuführen. In Leipzig experimentierte Anna Taina-Nielsen mit Großformaten, wobei sie den Entstehungsprozess auf unterschiedliche Weise dokumentierte und erkundete, ob ein Gemälde nicht nur als statisches, sondern auch als aktives Gemälde betrachtet werden kann, indem es durch Aufzeigen des Entstehungsprozesses neue Ebenen der Dekodierung eröffnet und dabei das Wesen eines Gemäldes an sich neu beleuchtet.

Rückblick auf das NORDIC LEIPZIG Jahr 2019

Neben der individuellen Arbeit in den Wohnateliers gab es verschiedene Aktivitäten, an denen die LIA KünstlerInnen teilnehmen konnten. Ob Ausflüge in der Stadt Leipzig, Besuch verschiedener Kunst- und Kultureinrichtungen, Treffen mit anderen Künstlern, Fahrten zu interessanten Orten in der Region oder die monatlichen Besuche von einem Gastkritiker in den Ateliers – das LIA Programm soll den KünstlerInnen die Möglichkeit für Einblicke, Austausch mit und Inspiration durch Leipzigs Kultur bieten. Ein Schwerpunkt lag 2019 auf der Drucktradition in Leipzig, die bis heute auch in der bildenden Kunst noch sehr lebendig ist. Ein wichtiger Programmpunkt der Künstlerresidenz sind die Gruppenausstellungen in den LIA Räumen, die während der Rundgänge der SpinnereiGalerien viele hunderte Besucher anziehen und eine besondere Gelegenheit sind für die Präsentation der entstandenen Werke und Gespräche mit einem kunstinteressierten Publikum.

Ein ganz besonderes Highlight war 2019 der Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender in der Spinnerei Leipzig und im LIA . Zusammen mit dem Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, dessen Frau und Kind, sowie dem Geschäftsführer der Spinnerei Leipzig, Bertram Schultze und den beiden Spinnereikünstlern Christiane Baumgartner und Michael Triegel, besuchte der Bundespräsident die Ateliers der LIA Künstler und lud zu einem gemeinsamen Gespräch über die Erfahrungen der internationalen Gäste in Leipzig und Deutschland.

Dezember 2019
Presseartikel [21.04.2020]
Maria Ondrej

Neue Gohliser Glocke Ruf nach Frieden wird laut

September 2016

LVZ Leipzig

Presseartikel [30.09.2016]

New York und Leipzig

Dezember 2015

LVZ vom 23. Dezember 2015
Text

Presseartikel [29.12.2015]
https://www.radierung-leipzig.de/sites/default/files/pdf/20151223_MTL_VP1_03.pdf

Zusammenarbeit mit Titus Schade vorgestellt
auf Freunde von Freunden.com

Der Maler Titus Schade geht auf eine Tour durch Leipzig und präsentiert dabei unsere Zusammenarbeit an der Grafikedition "Die kalte Stadt - Radierungen Neun"

 

September 2015
Presseartikel [02.09.2015]
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Glockengiessen in unvergesslichen Zehn Minuten

Tragnitz/Gescher. Kupfer, Zinn, Hitze und viel Handwerkskunst sind notwendig, damit neue Bronzeglocken entstehen. Die Künstlerin Maria Ondrej erlebte den unvergesslichen Augenblick, als die heiße Bronzeschmelze in der Gussform erstarrte. Die Glocken für die Tragnitzer Kirche sind fertig.
Steffi Robak

September 2014
Presseartikel [07.01.2015]
https://www.radierung-leipzig.de/sites/default/files/pdf/20140827_DAZ_Glockengie%C3%9Fen-2_0.pdf

Germany: Is Leipzig the new Berlin?

September 2014
Presseartikel [12.09.2014]

3 Fragen an... MARIA & VLADO ONDREJ

3 Fragen an... MARIA & VLADO ONDREJ
auf Facbook https://www.facebook.com/notes/spinnerei-leipzig/3-fragen-an-maria-vlado-ondrej/630387547079306
11. September 2014 um 11:47
Maria Ondrej (geboren 1965 in Leipzig) und Vlado Ondrej (geboren 1962 in Bardejov / Slowakische Republik) führen seit 2009 das Atelier für Radierung in der Spinnerei. Neben eigenen Arbeiten entstehen hier auch zahlreiche Druckgrafiken in Kooperation mit anderen Künstlern, etablierten Größen ebenso, wie Meisterschülern der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Zum Herbstrundgang der SpinnereiGalerien am 13. und 14. September 2014 zeigt das Künstlerpaar in ihren Arbeitsräumen Einblicke in ihre neue Edition "ON - Radierungen Acht" sowie "Radierungen neun" des Malers Titus Schade. Zu finden ist das Atelier für Radierung im Keller der HALLE 18.

Wie seid ihr zum Medium Radierung gekommen und was fasziniert euch daran am meisten?

Vlado und Maria Ondrej in ihrem Atelier. Foto: Spinnerei
Vlado Ondrej: Der Grund, warum ich angefangen habe Kunst zu studieren, war meine Liebe zur Zeichnung und die Erweiterung der Zeichnung durch das Phänomen des Abdrucks. Du zeichnet (radierst) nicht auf Papier, sondern auf einer Kupfer- oder Zinkplatte und druckst das dann auf Papier. Radierung ist so eigentlich eine einfache Geschichte. Aber dabei entsteht eine besondere grafische Struktur und optische Wirkung, die kann man eigentlich mit keinem anderen Mittel erreichen.
Ich habe mir schon in meiner Kindheit, damals in der Ostslowakei, zeichnerische Fähigkeiten selbst angeeignet, über Illustrationen aus Zeitungen und Büchern. Aber da gab es diese Bücher mit Radierungen, zum Beispiel von Albin Brunovsky, die konnte ich nicht mehr nachzeichnen. Die Grenze war erreicht, da hab ich mir gesagt: du musst Kunst studieren! In unserem Dorf gab es keinen, der das konnte und in der nächsten Stadt auch nicht. Ich hatte dann das Glück, an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) einen Studienplatz zu bekommen und habe dort studiert, später an der HGB bei Prof. Heisig in Leipzig mein Meisterstudium gemacht. Von 1994, bis 2012, als künstlerischer Assistent und Lehrbeauftragter die Studenten in derTechnik der Radierung in Halle an der Burg Giebichenstein unterrichtet. Ich habe aber gemerkt, dass mir die Zeit in meiner Werkstatt wichtiger ist. Mein Atelier in der Spinnerei habe ich seit etwa Winter 1993/94. Zur Gründung des Ateliers für Radierung Leipzig kam es dann 2009. Ich hatte schon früher angefangen von einer großen Druckmaschine zu träumen, die nun hier steht. Seitdem ist das mein größtes Arbeitswerkzeug.

Maria Ondrej: Ich habe Plastik und Keramik studiert und auch die bildhauerische Ausbildung an der Burg Giebichenstein in Halle genießen können. Als ich fertig war mit dem Studium habe ich zum Beispiel mehrere Brunnen gebaut. Also Brunnen mit Plastiken, Figuren, Tafeln und Objekte gemacht. Dann haben wir unsere zwei Söhne bekommen und nachdem die älter waren fragte mich Vlado, ob ich ganz kurz, nur für ein paar Monate, mit bei einem Projekt helfen könnte. Das war, wie gesagt, 2009. Jetzt haben wir 2014 und ich bin immer noch hier! Es macht einfach unheimlichen Spaß und Freude! Aber es ist auch noch Zeit für andere Arbeiten. Momentan bin ich mit der Gestaltung von Kirchenglocken für die Kirchen in Tragnitz und Altenbach bei Leipzig beschäftigt, die gerade umgesetzt und gegossen werden.

Vlado: Es war klar, dass ich das nicht allein machen kann, dazu brauchte ich Hilfe. Ich bin froh, dass hier Maria trotz ihrer eigenen Arbeiten mitmacht. Sie hat ja auch eine lange Beziehung zu Fotografie. Dadurch kann sie die Bereiche der Radierung, die damit zu tun haben – das sind Photogravure und Cliché verre – fachmännisch und erfinderisch betreuen. Ich bin mehr für die analoge Geschichte zuständig: Ätzen der Kupferplatten usw., das ist das, was mir Freude macht. Die Spezialisierung auf diesen Punkt war eine klare Entscheidung. Heutzutage musst du eine Sache machen und so konsequent, bis du zu den Besten gehörst.

Wie kommt es, dass die Radierung, trotzt des Aspekts der Vervielfältigung, auf dem Kunstmarkt heute wieder in ihrem künstlerischen Wert geschätzt wird?

Vlado: Die Druckgrafik entstand als Reprotechnik im 15./16. Jahrhundert, als es noch keine bessere Vervielfältigungstechnik gab. Heute wird sie ausschließlich für künstlerische Zwecke genutzt und sie hat eine eigene optische Wirkung, die du nur durch Radierung erreichen kannst. Mitte des letzten Jahrhunderts kam sie in Verruf, weil sie trotz der künstlerischen Gestaltung beliebig vervielfältigt wurde. Aber diese Zeiten sind heute vorbei! Wir sind in der glückliche Lage, dass durch die rasante Weiterentwicklung der ganzen Drucktechnik, durch die Digitalisierung usw., die ganze Handarbeit, die Herausgabe von kleinen Editionen, wiederum als ein wertvolles, sinnliches, unverwechselbares Produkt wahrgenommen wird. Unsere Auflagen sind klein...

Maria: Wir vertreten da eine ganz neue und konsequente Position, indem wir sagen, wir machen nur Kleinstauflagen, um die Wertschätzung der Werke hervorzuheben. Wir empfehlen es auch den Künstlern, solche kleinen Auflagen zu machen, damit es eben diese Wertigkeit besitzt. An der Mappe von Matthias Weischer zum Beispiel, die in einer 12er Auflage entstanden ist, haben wir gemeinschaftlich ein halbes Jahr gearbeitet. Da sind vier bis fünf Druckplatten nötig, um eine einzelne Grafik herzustellen. Da ist ein Bild schneller gemalt!

Vlado: Der Aufwand bei der Radierung ist oft viel höher, als bei der Malerei. Die Sorgfalt und Langsamkeit gehört einfach mit zu diesem Medium und steht damit im Kontrast zur Schnelllebigkeit der heutigen Zeit. Für jeden Abdruck müssen die Platten neu bearbeitet werden. Dadurch ist für mich der Druckprozess auch eine Art Metapher für Veränderung, verschiedene Stadien, für eine permanente Weiterentwicklung. Die Möglichkeiten der Veränderung des Resultats sind mit Radierung groß: du kannst fünf Zustandsdrucke machen und jede danach anders weiter bearbeiten. Gleichzeitig ist dies kein rückwärtsbezogener Arbeitsprozess, sondern sehr gegenwärtig und zeitgenössisch.

Ihr kooperiert mit vielen Künstlern verschiedener Stilrichtungen, führt experimentelle Projekte durch, wie zuletzt mit der Technik des Cliché verre. Was schätzt ihr an dieser Arbeit und wieviel Zeit bleibt dabei noch für das eigene Schaffen?

Vlado: Das geht nur in einem solchen Objekt wie der Spinnerei. Hier gibt es diese Fabrikatmosphäre und eine hohe Professionalität, die ich woanders noch nicht erlebt habe, das funktioniert nur hier so. Was hier zustande gekommen ist, ist in diesem Umfeld natürlich gewachsen. Die Kollegen kommen hierher zu uns ins Atelier zum konzentrierten Arbeiten. Das ist ein bisschen so wie ein Aufnahmestudio für Musik: die Leute kommen und jeder macht sein professionelles Ding. Aber das Studio ist eigentlich so teuer, dass man es allein nicht betreiben kann – Miete, Materialien, Ausstellungsvorbereitungen, Kataloge etc. Du musst also seh rprofessionell arbeiten und du musst wissen, was du willst.

Maria: Das heißt aber nicht, dass wir nicht rumexperimentieren, dafür ist auch Zeit. Aber man muss schon wissen, wie man was heraus kriegen will oder was wie funktioniert.

Vlado: Da kommen wir auch zu dem Punkt der Ähnlichkeit von Kunst und Wissenschaft in dieser Zeit. Die Verbindung von der Radierung zur Forschung und Wissenschaft wird für mich immer interessanter. Wir sind eigentlich eine Art von Forschungsinstitut hier. Und forschen kannst du nur mit einem Team von unterschiedlichen Kollegen, die alle auf einem besonderen Gebiet arbeiten, wo sich keiner wiederholt. Jeder bringt etwas Neues dazu. So war das Projekt Cliché verre ein erster Vorgeschmack. Das war eigentlich Forschung. Das ist der Punkt, wo ich froh darüber bin, dass wir hier inzwischen so gute Arbeitsbedingungen geschaffen haben. Aber es braucht auch immer jemand von außen, der seine Ideen mit den eigenen Erfahrungen zusammen bringt, sodass etwas ganz Unabhängiges entstehen kann.

Maria: Wir machen hauptsächlich unsere eigenen künstlerischen Arbeiten. Durch die künstlerische Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen zu bestimmten Themen entstehen kleine grafische Sammlungen (Editionen), Ausstellungen und Publikationen. Dadurch wird auch der eigene künstlerische Prozess enorm angeregt und man inspiriert sich gegenseitig, erkundet zusammen neue Möglichkeiten... Es ist schon etwas Einmaliges, was hier entsteht! Wir haben viel Zeit in die Forschung zum Cliché verre gesteckt, unzählige Stunden in der Dunkelkammer experimentiert und Literatur gewälzt. Zum Cliché verre gibt es aber kaum noch Aufzeichnungen oder notwendige Materialien, die zur Entstehungszeit dieser Technik 1850/60 verwendet wurden. Für Vieles mussten wir mit modernen Materialien herum probieren und lernen umzugehen, um diese Ergebnisse wieder zu erreichen. Wir haben dabei viele spannende Entdeckungen gemacht und sind noch einen Schritt weiter gegangen und gezeigt, was man mit dieser Technik heute alles machen kann. Und das ist alles in Kooperation mit spannenden, internationalen Künstlern entstanden, die hier mit uns zusammen gearbeitet und diese Technik mit ihrem jeweiligen künstlerischen Background ausgelotet haben. Das hätten wir zu zweit gar nicht leisten können.

September 2014
Presseartikel [12.09.2014]
Döbelner Allgemeine Zeitung am 11.Juli 2014

Kirchenglocken gestaltet von Maria Ondrej

Es entsteht ein Geläut (3 Glocken) für die Kirche in Tragnitz / Leisnig
Die Künstlerin Maria Ondrej entwirft und fertigt dafür die Glockenzier.

Juli 2014
Presseartikel [23.07.2014]
xx

Inspiration im Refugium barocken Landadels

Künstler die ausstellen: Matthew Comeau, Esteban Ocampo, Camilla Rocha, Hannah Stahl, Piper Mavis, Sebastian Burger, Stefan Guggisberg, Marie Carolin Knoth, Mandy Kunze

Juli 2014
Presseartikel [23.07.2014]
xx

Von New York nach Machern

Ausstellung Zeitgenössischer Arbeiten von Künstlern aus der New York Academie of Art und Meisterschülern von Neo Rauch. Kuratiert von Kristina Semenova. Initiatoren Eve Heigel, Maria und Vlado Ondrej, LIA -Leipzig

Juli 2014
Ausstellung praesentiert zeitgenössische Arbeiten im Dialog mit Schloss und Park

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